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13.01.2021

Die Lebensqualität sichern

Volker Kiesel vom Innungsfachbetrieb Kiesel Elektrotechnik aus Rottenburg ist Gesicht der neuen Kampagne der „Zukunftsinitiative Handwerk 2025“.

Bild: Meister Heuser/Kiesel Elektrotechnik

Der Betrieb macht digitale Anwendungen für ältere Menschen, Personen mit Handicap und in der Pflege nutzbar und setzt dabei auf analoge Kommunikation.

Digitale Technik sichert Lebensqualität
„Manchmal höre ich nicht das Klingeln an der Haustüre. Es ist mir schon passiert, dass ich vergessen habe, dass der Herd eingeschaltet ist.“ Häufig sind es solche Erfahrungen, mit denen sich ältere Menschen oder deren Kinder an Volker Kiesel wenden und nach einer technischen Lösung suchen, die mehr Sicherheit im Alltag und letztlich ein selbständiges Leben garantieren. Gefragt seien kleine Helfer, sagt der Elektrotechniker aus Rottenburg, etwa ein mit der Klingel verbundenes Lichtsignal oder eine Sensorik, damit der Herd automatisch abschaltet wird, wenn keine Bewegung registriert wird. "Digitale Technik schafft hier einen hohen Nutzen, weil sie Lebensqualität sichert.“

Seit rund sechs Jahren beschäftigt sich Kiesel intensiv mit digitalen Anwendungen für ältere und alte Menschen, Personen mit Handicap und in der Pflege. Angesichts der demografischen Entwicklung gelten Assistenzsysteme und nutzerfreundliche Steuerungen als ein Zukunftsmarkt für das Handwerk. Kiesel spricht dennoch von einer „Nische“, in der er unterwegs sei.

Konkreten Nutzen vermitteln
Das hat zum einen mit der eingesetzten Technik zu tun, eine einfache Herdabschaltung erfordert eben keine komplexe KNX-Technologie, zum anderen mit der Zielgruppe, für die der Umgang mit Smartphone, Tablet und Apps alles andere als selbstverständlich ist und die häufig entsprechend reserviert eingestellt sind. „Man muss den konkreten Nutzen vermitteln, den die digitale Technik hat. Das geht am besten, wenn man sich an einen Tisch setzt und mit den Leuten redet“, betont Kiesel. „Die digitale Technik muss analog rübergebracht werden. Das erwarten die Kunden.“

Corona brachte Digitalisierungsschub
Die Corona-Pandemie brachte einen kräftigen Schub für die Digitalisierung. „Die Leute sind viel offener“, beobachtet Kiesel. Wenn das Tablet ein Werkzeug darstelle, um den Kontakt zu Verwandten zu pflegen, seien auch Ältere bereit, sich auf die neue Technik einzulassen. „Wenn sie sehen, dass es funktioniert, wächst das Interesse an anderen Produkten.“ Wobei es selten vorkommt, dass ein Haus in einem Schritt zum altersgerechten Smart Home umgebaut wird. Meistens erfolgt der Einzug der digitalen Hilfen nach dem konkreten Bedarf, etwa ein defekter Rollladen oder eine Markise, die ohnehin erneuert werden muss, und damit in einzelnen Schritten über einen Zeitraum von mehreren Jahren.

Netzwerken ist Pflicht
Die technische Entwicklung erfordert ständiges Lernen und die Bereitschaft, das Denken in Schubladen zu überwinden. Kiesel ist ein umtriebiger Netzwerker, sucht den Austausch mit anderen Gewerken und besucht mitunter auch Fachmessen der Rollladen-, Sonnenschutz- und Tor-Branche oder im Heizung- und Sanitärbereich, um auf dem Laufenden zu bleiben. „Einzelkämpfertum funktioniert in diesem Bereich nicht“, ist er überzeugt. Aus diesem Grund beteiligte er sich am aus Landesmitteln finanzierten Projekt „Hammer 4.0“, das sich zwei Jahre lang mit dem Nutzen von Smart-Home-Technologien in verschiedenen Lebenslagen und neuen Geschäftsfeldern für das Handwerk befasste. Den Kontakt und Austausch mit Forschung, Heimträgern, Unternehmen, Kreisseniorenrat und Kammern bezeichnet Kiesel als wertvoll.

Rund ein Fünftel seines Umsatzes erzielt das Unternehmen inzwischen in diesem Bereich. Beim Marketing setzt Kiesel klassisch auf Weiterempfehlungen. Der Idee, einzelne Produkte auch über einen Online-Shop zu vertreiben, kann er nur wenig abgewinnen. „Online-Shops münden schnell in einer Preisdiskussion“, glaubt Kiesel. Ein solcher Vertriebsweg sei im Privatkundengeschäft auch nicht notwendig.

Wie steht es um die Digitalisierung im Unternehmen? Für Kiesel, Chef von zwei Mitarbeitern, steht fest, dass beispielsweise das papierlose Büro oder der „mobile Monteur“ in der täglichen Arbeit immer wichtiger werden. Die zeitliche Umsetzung sei aber auch nicht zuletzt eine Frage der Betriebsgröße. „Aufwand und Ertrag müssen in einem vernünftigen Verhältnis stehen.“

Die Erfahrungen, die er in den vergangenen Jahren gesammelt hat, will er nun in ein Projekt seiner Heimatstadt einbringen. Im Rahmen der „Stadtkonzeption 2030“ erarbeiten Politik, Verwaltung und Bürger gemeinsam Ideen für eine lebenswerte Kommune. Es geht um alle Lebensbereiche und alle Generationen. „Eine wichtige Rolle wird die Digitalisierung spielen“, sagt Kiesel.

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